Wir sind Meister!!! – Zurück auf dem Schweizer Ringerthron
27. Dezember 2019
Die grosse RCW-Mannschaft, 26 Athleten kamen während dieser sensationellen Saison zum Einsatz.

Mission 14 ist geschafft – Willisauer Happy End

Was war das für ein dramatischer Fight! Die RCW Lions schlagen die RS Freiamt im dritten Final mit 17:16 und sind zum 14. Mal Schweizer Mannschaftsmeister. Jonas Bossert brachte erst im letzten Duell den Sieg nach Willisau.

Als «Hitchcook-Krimi», «Zangengeburt» oder «Ritt auf der Rasierklinge» wurde der dritte Final kurz nach dem Kampfende bezeichnet. Es zeigt den äusserst knappen Ausgang dieses denkwürdigen Duells. Dies alles konnte den Lions nun egal sein. Sie sind gerade zum 14. Mal Schweizer Meister geworden. In der BBZ-Arena mit über 2000 Zuschauern brachen nach dem hoch-emotionalen Duell alle Dämme. Jonas Bossert wird von der tragischen Figur zum grossen Helden. Die RS Freiamt zeigt einen bärenstarken Auftritt und verlangte den Lions alles ab.

Gemischte Gefühle zur Halbzeit

Es war alles perfekt angerichtet. Der Einmarsch wurde begleitet mit einem Didgeridoo und einer Mundharmonika, welche das «Lied vom Tod» spielte. Um Leben und Tod ging es zwar nicht, trotzdem spürte man, dass es um sehr viel ging an diesem Abend. Die Aufstellungen der beiden Mannschaft kamen wie erwartet mit paar wenigen Umstellungen daher. So stand dieses Mal bei den Lions Timon Zeder wieder in der untersten Gewichtsklasse, die Freiämter griffen auf Andry Maltsev zurück und schoben Magomed Ayshkhanov auf 86 kg runter.
Nach der Nationalhymne ging es mit dem Kampf bis 57 kg Greco los. Es wurde der erwartet enge Kampf zwischen Timon Zeder und Nils Leutert. Der Grosswanger musste zuerst in die Bodenlage, Leutert konnte punkten. In der zweiten Hälfte bekam dann auch Leutert eine Passivität, was zum Punktgewinn für den Willisauer führte. Mit dem 1:2 wurde die Pflicht erfüllt. Bis 130 kg waren von Stifi Reichmuth vier Punkte gefordert, und «Stifi» legte wie immer gleich los wie die Feuerwehr. Bereits nach fünf Sekunden kamen die ersten Punkte auf das Konto des WM-Dritten. Nach kurzer Zeit hatte er Kranzschwinger Jeremy Vollenweider ausgepunktet. Im dritten Duell hielt auch diese Woche Lukas Bossert mit Kaderringer Nino Leutert gut mit, musste aber gleich zu Beginn Punkte abgeben. Diese Woche gelang ihm der Punktgewinn knapp nicht, trotzdem waren die Lions auch mit dieser 0:2-Niederlage im Fahrplan. Wie bereits vor Wochenfrist traf Samuel Scherrer auf Roman Zurfluh. Auch diese Woche ging Scherrer sehr geschickt vor. Zurfluh konnte konditionell mit dem «Panzer» von Willisau nicht mithalten und so gewann der Willisauer mit 3:0. Vor der Pause kam dann ein erster Dämpfer aus Willisauer Sicht. Rasul Israpilov konnte letzte Woche Michi Bucher beinahe besiegen, so rechnete man wieder mit einem engen Kampf. Doch der hochtalentierte Bucher, der immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat, schlug diese Woche mit seinem eiskalten Hüfter zu und legte den 18-jährigen Willisauer auf die Schultern. Die Gästefans waren natürlich aus dem Häuschen. Bei den Lions war nun eine fast perfekte zweite Hälfte gefordert. Es stand zum Pausentee 8:8-Unentschieden. Bemerkenswert war auch die Pausendarbietung der «Stage Divers» aus Roggliswil. Sie rissen das Publikum mit und zeigten eine grossartige Show.

Letzter Kampf, Letzte Sekunden

Nach der Pause kam es bis 86 kg zum «Duell der Giganten». Gergely Gyurits, der Ungare in Willisaus Reihen, traf auf den Russen Magomed Ayshkhanov. Es war ein erwartet hochstehender Kampf. Mit schnellen Beinangriffen ging der Freiämter in Führung. Aus dem Nichts konnte Gyurits darauf einen Angriff kontern. Das Duell schien ausgeglichen, doch Ayshkhanov zeigte, dass er Weltklasse-Niveau hat und konnte den 1:3-Sieg auf die Seite der Gäste bringen. Bis 70 kg Freistil kam es ebenfalls wie schon letzte Woche zum Duell zwischen Tobias Portmann und Ex-Internationale Pascal Strebel. An diesem Abend war Portmann viel besser auf den Greco-Spezialisten eingestellt. Er geriet zwar wieder in Rückstand, zündete dann aber ein grosses Feuerwerk. Mit tiefen Beinangriffen und seiner Spezial-Bodentechnik zog er davon und gewann schliesslich klar und umjubelt mit 12:3, was 3:1 Mannschaftspunkte bedeutete.
Die Willisauer konnten also auf 12:12 aufschliessen. Erneut eine «löwenstarke» Leistung zeigte Andy Vetsch. Der Leihringer aus Oberriet behielt auch an diesem Abend die Nerven und gewann gegen den körperlich überlegenen Marc Weber knapp nach Punkten. Es war erneut eine riesige Leistung. «Andy» wurde zurecht von Hauptsponsor WINFORCE zum Athleten des Abends gekürt.
Es wurde immer spannender und der Titel konnte immer noch auf beide Seiten kippen. Bis 74 kg Greco kam es zum Generationenduell. Der 18-jährige Überflieger Michael Portmann traf auf den 46-jährigen Ukrainer Andry Maltsev. Es war ein harter Fight. Beide Athleten mussten je einmal in die Bodenlage, es resultierte aber nichts Zählbares. Kurz vor Schluss sahen die Kampfrichter den Ukrainer etwas aktiver als der Willisauer, so ging der umstrittene Kampf auf die Seite der Aargauer. Der Krimi war perfekt, vor dem letzten Kampf stand es 15:15.

Bosserts Sieg, der Jubel, die unbeschreiblichen Gefühle

Auch dort kam es zum gleichen Duell wie im zweiten Final. Jonas Bossert traf auf Freistilspezialist Nico Küng. Der 29-jährige Williauer zwang dem Aargauer geschickt seinen Greco-Stil auf und konnte am Mattenrand punkten. Bossert führte darauf mit 2:0, Küng konnte durch Aktivitätszeit auf 1:2 verkürzen. Die Zeit verstrich, es kam den Lions vor wie eine Ewigkeit. Küng riskierte alles und probierte einen Hüftschwung, den Bossert abfangen konnte. Vier Sekunden standen noch auf der Uhr. Freiamts Trainer Leutert forderte nochmals die Challenge, es änderte Nichts. Bossert brachte den Sieg nach Hause, es brachen nun alle Dämme. Mit Jonas Bossert ist ein neuer Held geboren, Willisau ist Schweizermeister 2019, was für ein unglaublicher Abend!
Es war eine Finalserie, wie sie besser nicht hätte verlaufen können. Neben dem neuen Meister muss man aber auch dem Gegner, der RS Freiamt, zur grossartigen Leistung gratulieren. Die Lions können sich also für die bittere Niederlage von 2008 revanchieren und gewinnen den Titel der Swiss WINFORCE League. Es hat aber alle dafür gebraucht. Die ganze Lions-Familie ist verantwortlich für diese Leistung. «Gefasst haben wir es glaube ich noch nicht richtig, aber das kommt noch. Der Titel gehört allen. Es hat alle gebraucht, vom Ringer bis zum Hot-Dog-Verkäufer. Jetzt wird erstmal gefeiert», kommentiert Leader Stefan Reichmuth mit einem breiten Grinsen. Es ist der Anfang einer langen Partynacht.

GewichtRC Willisau LionsRS FreiamtEPSAMP
57G Zeder Timon Leutert Nils 1:3 PS1:2
61F Bossert Lukas Leutert Nino 0:3 PS0:2
65G Israpilov Rasul Bucher Michael 0:7 SS0:4
70F Portmann Tobias Strebel Pascal 12:3 PS3:1
74G Portmann Michael Maltsev Andrey 1:2 PS1:2
74F Bossert Jonas Küng Nico 5:1 PS2:1
79G Vetsch Andreas Weber Marc 2:1 PS2:1
86F Gyurits Gergely Ayskhanov Magomed 3:9 PS1:3
97G Scherrer Samuel Zurfluh Roman 9:0 PS3:0
130F Reichmuth Stefan Vollenweider Jeremy 16:0 TU4:0

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