Swiss Premium League – Finalkampf 1: RR Einsiedeln – RCW Lions, Sa – 29.11.2025 – 19:00 MZH Rothenthurm, Müllernstrasse 12, 6418 Rothenthurm, öffentliches Wiegen ab 18:00.
Es ist einer Premiere im Schweizer Mannschaftsringsport: Die RCW Lions treffen im ersten Finalkampf auf die RR Einsiedeln. Die Klosterdörfler wurden bereits zu Beginn der Saison als Geheimfavorit gehandelt, es wartet eine erfahrene Mannschaft auf den Meister aus Willisau. Im Duell der beiden Innerschweizer Traditionsmannschaften wird ein knapper Ausgang erwartet.

Michael Portmann will mit den RCW Lions im ersten Final gegen ein unbequemes Einsiedeln vorlegen (Foto JB).
Knapper geht es nicht: Die RCW Lions und auch die RR Einsiedeln haben sich beide in Extremis für den Final in der Swiss Premium League qualifiziert. Während Willisau mit einem Punkt in der Gesamtabrechnung die Oberhand behielt, waren im Duell zwischen Einsiedeln und Kriessern tatsächlich die höhere Anzahl Einzelsiege schlussendlich massgebend. Der Final der beiden Mannschaften verspricht viel Spannung und hochklassige Duelle. Die RCW Lions sind leicht zu favorisieren, der Respekt vom Gegner ist allerdings gross. Es ist auch ein spannendes Trainerduell zwischen den langjährigen ehemaligen Top-Ringern Rolf Scherrer und Urs Bürgler.
Einsiedeln ist erfahren und breit
Die Klosterdörfler haben sich in den letzten Jahren Schritt für Schritt an den Final herangetastet. Der neuliche Coup ist vor allem auch Chef-Trainer Urs Bürgler zu verdanken. Der mehrfache Eidgenosse und zweifache Olympiateilnehmer (1996 + 2000) ist ein absoluter Reisser und Leader und konnte sein Team Jahr für Jahr verbessern. Er ist im Schweizer Ringsport eine respektierte Grösse und bei vielen beliebt. Neben wichtigen Zuzügen hat er auch den Ringsport im Kanton Schwyz vorwärtsgebracht. Ausserdem hat mit Sven Neyer ein Ruhepol den Verein übernommen, der den Verein souverän führt. Die Finalqualifikation ist nun also die Krönung vieler Investitionen und Herzblut. Letztmals war es im Jahr 1989, längst vor dem heutigen Modus, als die Einsiedler gegen den damaligen Dominator Kriessern eine finalähnliche Affiche bestritten.
Dass die Einsiedler für die Willisauer immer gefährlich sind, ist längst bekannt. Bereits kurz nach dem Aufstieg in die Premium League im Jahr 2014 schafften es die Schwyzer, den Willisauern ein Bein zu stellen. Einige weitere Male gingen die Willisauer vor allem auswärts in Einsiedeln als Verlierer von der Matte. Wenn es allerdings um die Entscheidung in den Playoffs ging, so hatten die Grafenstädter immer die Nase vorn. Knapp war es vor allem 2018, als die Willisauer sich im Halbfinale gegen Einsiedeln nur hauchdünn und erst im letzten Kampf durchsetzen. Die «Bürgler-Truppe» ist diese Saison so breit und hochkarätig besetzt, wie noch nie. In den unteren Gewichtsklassen sorgen die Perlhunger-Brüder für die Musik, in den mittleren und oberen Gewichtsklassen kann man auf fünf Gebrüder Neyer und den starken Andreas Burkhard zählen. Zudem konnten die Schwyzer den internationalen Top-Ringer Damian Von Euw von Brunnen verpflichten. Eine entscheidende Verpflichtung war auch Pavel Untila. Der gebürtige 27-jährige Moldawier brachte die Einsiedler letzte Woche in den Final. Daneben machte der junge Jan Walker einen grossen Schritt und ist zu einem schwer bezwingbaren Gegner gereift. Für die Breite im Schwergewicht konnte zusätzlich der routinierte Ukrainer Andry Vishar verpflichtet werden. Im ersten Halbfinalkampf lag so das Durchschnittsalter der Innerschweizer bei knapp 28 Jahren. Es wird also für den 18-fachen Meister aus dem Luzerner Hinterland alles andere als einen Selbstläufer gegen diese abgeklärte Mannschaft.
«Uns bringt nichts aus der Ruhe»
Auch die RCW Lions mussten zittern: Es war ein Hitchcock-Krimi am vergangenen Samstag gegen ein aufopferndes Freiamt. Schliesslich haben die Willisauer aber doch ihren grossen Biss und enormen Siegeswillen an den Tag gelegt. «Auch nach acht Finalqualifikationen in Serie ist der Titelhunger bei uns auch dieses Jahr enorm gross», verrät Team-Leader Samuel Scherrer. Von ihm ist gegen den erfahrenen Andrii Vishar ein Pflichtsieg gefordert. Für die Willisauer spricht natürlich vor allem die Finalerfahrung. «Jeder kennt das Gefühl, im Final auf der Matte zu stehen und es bringt uns nicht so schnell etwas aus der Ruhe», kommentiert Freistil-Co-Trainer Stefan Reichmuth. In der Finalwoche wird in Willisau kurz und intensiv trainiert, die Spritzigkeit liegt im Vordergrund. Diese ging im Duell gegen die RS Freiamt etwas verloren, in vielen Duellen wirkte der Meister gar etwas verkrampft. «Wir müssen die richtige Dosis zwischen Lockerheit und Anspannung finden, dies werden wir mit expliziten Mentalübungen forcieren», so Reichmuth weiter. Es wird also auch am kommenden Samstag wieder vieles im Kopf entschieden. Die Willisauer haben mit ihrem breiten Kader sehr viele Optionen in der Mannschaftsaufstellung. Der erste Finalkampf findet aufgrund der Sicherheitsvorschriften in Rothenthurm statt, entsprechend wurden Fan-Cars organisiert. Die RCW Lions freuen sich auf zahlreiche, wie immer lautstarke Unterstützung aus dem Luzerner Hinterland.