An der hervorragend besuchten Schweizermeister der Aktiven, Kadetten und Frauen gewannen die drei ZRV-Teams Hergiswil, Ufhusen und Willisau zwölf Medaillen. Ein Aktiv-Titel blieb dabei dieses Jahr verwehrt, umso erfreulicher sind der Gewinn von gleich vier Meistertitel bei den Kadetten.
Die nationalen Meisterschaften im freien Stil fanden im schwyzerischen Tuggen statt. Die Gastgeber waren dann auch als Organisator sehr stark gefordert, mit 222 TeilnehmerInnen wurde auf vier Matten gerungen, die Tugger führten den Anlass zusammen mit Swiss Wrestling makellos und speditiv durch. Bei der Teilnehmerzahl widerspiegelte sich, dass nun viele Ringer die für den Start notwendigen zwei Jahre Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz erfüllen. Für den Breitensport sicherlich ein Gewinn. Zu Überzeugen vermochten von den Hinterländer Teams vor allem die RCW Lions mit neun Medaillen. Die RR Hergiswil gewann eine, der TV Ufhusen zwei Medaillen und dazu auch einige Diplomränge.
Len Scherrer ist Soppel-Schweizermeister
Bei den Kadetten (U17) gewann der Willisauer Nick Kehrli erneut die Goldmedaille. Der U15-Kaderringer besiegte den Kriessner Luka Streck klar und setzte sich zuoberst aufs Treppchen.
Bis 53 kg zeigte Greco-Spezialist Fionn Uhlmann im «fremden» Freistil ein hervorragendes Turnier. Er kämpfte sich ohne Punktverlust in den Final und traf dort auf den Weinfeldner Kaderringer Pius Ochsner. Auch diesen Finalkampf dominierte der U15-Kaderringer und siegte schliesslich mit 9:0. Ein weiteres Ausrufezeichen des erst 14-jährigen.
Bis 60 kg sorgte Hergiswils Kaderringer Marco Limacher für eine hervorragende Silbermedaille. Limacher, auch er ein Greco-Spezialist, kämpfte sich makellos in den Final, wo er auf den starken Oberrieter Lio Rüegg traf. Dieser Final war ein Auf und Ab, schliesslich mit dem besseren Ende für den Ostschweizer. Limacher verlor hauchdünn mit 5:6. Der Willisauer Max Bieri wurde in diesem starken Gewicht sechster.
Eine Klasse für sich war einmal mehr Dario Stadelmann. Der Entlebucher Kantonsschüler zeigte seine grosse Klasse mehrmals auf und gewann überlegen den Meistertitel bis 66 kg, dies ohne Punktverlust. Die EM-Hauptprobe ist also geglückt, Stadelmann wird am 15. Mai im bulgarischen Samokov die Schweizer Farben an der Kadetten EM vertreten. Auch der Hergiswiler Mattia Stadelmann zeigte im gleichen Gewicht ein sehr gutes Turnier und wurde nach vier Siegen und zwei Niederlagen guter Vierter.
Ein hervorragendes Turnier zeigte auch Len Scherrer wieder. Nach dem Meistertitel im Greco doppelte der Sohn von Rolf Scherrer im Freistil nach: Er kämpfte sich mühelos in den Final und traf dort wie schon im Greco auf den Freiämter Morris Kron. Mit einem wunderschönen Hüfter sorgte der Willisauer Gärtner-Lehrling für die Entscheidung und darf sich nun Doppelschweizermeister nennen. Im gleichen Gewicht wurde Joel Burri (RRH) sechster und sorgte vor allem mit seinem Sieg gegen den Freiämter Antyp Saienko für ein grosses Ausrufezeichen.
Bis 150 kg sorgte der Willisauer Christian Bitzi mit dem 3. Rang nach drei Siegen und einer Niederlage für eine weitere Willisauer Medaille. Die Ausbeute bei den Kadetten darf sich also mehr als sehen lassen.
Viele heisse Eisen bei Aktiven – kein Titel
Bei den Aktiven verpassten vor allem die RCW Lions nach verheissungsvollem Start einen Titelgewinn. Bis 60 kg zeigte der Willisaus Ivan Terzi, dass er wieder komplett genesen ist. Er kämpfte sich souverän in den Final, besiegt darunter auch den starken Berner-Ukrainer Serhii Buriatinskyi klar und stand somit im Final. Dort traf er auf den nach einer Knieverletzung wiedergenesenen Kaderringer Thomas Epp und war chancenlos. Trotzdem darf Ivan mit der Silbermedaille mehr als zufrieden sein in dieser starken Gewichtsklasse. Bis 65 kg zeigte Patrick Kurmann ein ganz starkes Turnier. Nach sieben Kämpfen, davon fünf Siegen wurde der Willisauer vierter bei 25 Teilnehmer. Bis 70 kg wurde Lokalmatador, Mitorganisator und Lions-Transfer Jonas Müller guter sechster bei 22 Teilnehmer.
Spannend wurde es bis 75 kg: Dort strebte Florian Bissig seinen zweiten Titel bei den Aktiven an.
Im Halbfinal traf er auf seinen Schattdorfer Kaderkollegen Aaron Zberg. Bissig schien den Kampf komplett im Griff zu haben, gab aber in den letzten Minuten noch zwei Viererwertungen ab und stand am Ende als Verlierer da. Ganz bitter, denn Zberg sicherte sich im Final den Titel gegen den Weinfeldner Routinier Roger Junker, der auch Willisauer Vergangenheit hat, problemlos. Bissig wurde im Anschluss doch noch dritter. Ein hervorragendes Turnier zeigte auch der Hergiswiler Sven Bammert. Er zeigte sehr starke Kämpfe und verlor gegen den späteren Meister Aaron Zberg nur hauchdünn. Danach machten sich leider die Bandscheibenprobleme wieder bemerkbar und Bammert musste sich mit dem 6. Rang begnügen.
Bis 80 kg, gab Tobias Portmann nach seiner Ham-String-Verletzung ebenfalls sein Comeback. Der Willisauer Leitwolf kämpfte sich souverän in den Final, hatte allerdings gegen Ufhusens Joel Marti den einen oder anderen heiklen Moment zu überstehen. Dort verletzte er sich auch leicht am Knie. Im Final gegen den starken Sensler Jan Faller konnte Portmann an diesem Tag nichts ausrichten und verlor unglücklich. Somit gewann der Willisauer Silber. Im gleichen Gewicht wurde Joel Marti (TVU) hervorragender Dritter und hat seinen Ruf als Allzweckwaffe wieder einmal bestätigt.
Bis 86 kg wollte Nick Scherrer nach dem ersten Titel bei den Aktiven greifen. Im Halbfinale musst er sich allerdings dem Freiämter Routinier Marc Weber knapp geschlagen geben. Weber zwang dem 20-jährigen seinen Ringstil auf, Scherrer fand darauf an diesem Tag kein Rezept. In der Folge wurde auch er souverän Dritter und sicherte sich so seine erste Medaille bei den Aktiven. Ein hervorragendes Turnier zeigte auch der Ufhuser Remo Kneubühler. Er kämpfte sich bis 86 kg überraschend in den Final und unterlag dort dann ebenfalls dem Freiämter Marc Weber. Somit gewann Kneubühler verdient die Silbermedaille.
Bis 150 kg zeigte der Willisauer John Ani in den Diensten der RR Tuggen ebenfalls ein sehr gutes Turnier. Der 20-jährige Kaderringer musste sich nur Routinier Andrii Vishar geschlagen geben, die restlichen Kämpfe gewann er hoch und sicherte sich somit Bronze.
Bei den offenen Schweizermeisterschaften der Frauen musste Leonie Stadelmann noch etwas Lehrgeld zahlen und wurde Vierte.

Tobias Portmann gewinnt das Hinterländer-Duell gegen Joel Marti nur knapp (Bild BU).
Starke Kadetten – Aktive könnten mehr
Willisaus Cheftrainer Rolf Scherrer zeigte sich vor allem mit dem Resultat der Kadetten hoch zufrieden: «Bei den Kadetten waren wir eine Wucht. Ich bin stolz, wie sich unsere Jungs entwickeln», so der 2-fache Olympionike. «Bei den Aktiven vergeben wir drei Meistertitel auf unglückliche Weise», meinte Willisaus Sportchef Florian Bernet. Auch waren mit Samuel Scherrer, Mansur Mavlaev und Timon Zeder noch namhafte Medaillengaranten abwesend.
Auch RRH-Coach Patrik Stadelmann zeigte sich mit den Leistungen seiner Athleten vorsichtig zufrieden: «Wir sind mit diversen Athleten sehr nahe dran, es fehlte noch der letzte Biss», so der ehemalig Spitzenringer. Trotzdem darf sich das Hinterland nach wie als Freistilhochburg bezeichnen, die nationalen Meisterschaften haben dies einmal mehr bewiesen.
Resultate: SM – Freistil – Frauen, Aktive, Kadetten | Sieger – 222 Teilnehmer